Mit dem Kopf durch die Wand?

Donnerstag, 29.10.
Gestern Abend noch ging der Blog ins Netz. Ich bin ganz stolz, und die Rückmeldungen sagen mir, dass ich die richtige Idee hatte.
Der Tag mit den vielen Hausbesichtigungen gestern, geht mir noch nicht aus dem Kopf. Das ist nicht meine Welt. Wie gut, dass ich nicht dauernd mein Haus verkaufen will. Obwohl der Regenbogen so schön am Himmel steht, am liebsten würde ich jetzt die Koffer packen, alles hinter mir haben und mich bei Wind und Wetter auf die weiße Bank in Ommels Hafen setzten. Oder am Strand spazieren gehen, mich gelegentlich nach etwas bücken, das meine Neugierde geweckt hat, während über mir die Gänse rufen und mir der feuchtkalte Wind ins Gesicht weht.

Ich lese gerade „Max, Mischa und die TET-Offensive“ von Johan Harstad.  Der Erzähler beschreibt, wie er als 12-Jähriger unter dem Umzug von Stavanger nach Long-Island gelitten hat. Ich erinnere mich kaum noch an Gegebenheiten, aber daran wie traurig ich war bei jedem Umzug. Und wie es sich anfühlt Freunde zu verlieren, ganz still und leise, wie ein fade-out. Und daran keine Freunde zu haben, weil alle fremd sind und ich mal wieder die Neue in der Klasse. Tja, so sind unsere Kinder in Nienburg aufgewachsen und nicht umgezogen. Jetzt kann ich erstmalig für mich und ohne „Sachzwänge“ wie einen Arbeitsplatz entscheiden. Was für ein großes Glück, dass Gustav und ich uns einig sind! Jetzt erinnere ich mich auch, dass ich jedes Mal neue Freunde gefunden habe! Babbel hilft bei der Sprachbarriere. Die Kinder sind erwachsen, sie fällen jetzt ihre eigenen Entscheidungen.

Freitag, 30.10.
Nichts passt mehr. Covid ist allgegenwärtig. Mischt sich überall ein. Menschen stehen auf und entwickeln abstruse Ideen. Verführerisch die Idee Covid 19 sei eine ganz normale Grippe, man würde sich nur viel zu sehr um sie kümmern. Aber brandgefährlich. Wir gehen aus Deutschland weg und hinter uns brennt es? Ein bisschen so fühlt es sich an. Aber wir wissen nicht, wie die Pandemie sich in Dänemark auswirken wird und wie auf uns in Dänemark.
Der neue Zustandsrapport für das Haus ist eingetroffen. Hört sich dramatisch an. Aber wäre es ein Patient so würden wir hören: „Es geht ihm den Umständen entsprechend gut.“ Immerhin ist das Haus schon 50 Jahre alt. Der Kaufvertrag wird bereits vorbereitet.

Donnerstag, 05.11.
Plötzlich geht alles ganz schnell. Gestern Morgen kam der Vertrag aus Marstal, gestern Nachmittag ging das „Gebotsverfahren“ für das Haus in Nienburg zu Ende. Nun ist bereits klar, wer dieses Haus kauft. Ein Rücktritt ist doch unwahrscheinlich. Lieber glaube ich es aber erst, wenn unterschrieben ist. Das sind nur noch wenige Schritte. Für das Haus Kaervej geht es noch schneller. Hier braucht man keinen Notar, ein Anwalt mit Vollmacht von uns reicht völlig. Alles weitere geht digital. Wir brauchen also auch nicht nach Ærø zu reisen, um das Haus zu erwerben. Schade eigentlich! Allerdings ist das zurzeit ja nicht ganz einfach. Da braucht es schon einen offiziellen Termin mit Einladung. Als nächstes fließen dann auch schon die Gelder. Das hat Gustav alles perfekt vorbereitet. Nun sprechen wir schon über den Umzugstermin und die Abwicklung. Derweil hat Trump die Wahlen in USA wahrscheinlich verloren und ich bin beim Ausmisten zu den Teddybären unterm Bett vorgedrungen. G und K werden jeweils eine Kiste mit Kindersachen zu Weihnachten mitbekommen. Ich habe dann doch nicht vor, das alles mitzunehmen. Wie toll so ein Umzug mit Neuanfang ist. Ohne Veranlassung schmeiße ich ja doch den Ballast nicht von mir. Ob ich mich wohl noch mit einer Schnur am Boden verankern muss, damit mich der Wind nicht mit nimmt, so leicht, wie ich dann werde?

Heute Morgen liegt das erste Mal Raureif auf dem Schuppendach. Die Luft ist kalt und feucht. Die Sonne beleuchtet mit flachen Strahlen die sterbenden Blätter. Windstille. Ich stelle mir dieses Wetter auf Ærø vor und freue mich drauf dort spazieren zu gehen. Für den Garten wünsche ich mir dringend eine Federharke aus Metall. Der Sound der Plastikharke, die ich habe, ist unerträglich. Und ich werde viele Blätter harken müssen in unserem neuen Garten!

Samstag, 7.11.
Mit dem Kopf durch die Wand – so kommt es uns vor, wenn wir auf die Entwicklung der Pandemie starren und gleichzeitig unsere Pläne schmieden. Cool bleiben, abwarten und so viel Flexibilität wie möglich erhalten. Und natürlich jetzt nicht krank werden. Dann kann uns nichts passieren! Stell dir vor du fährst nach Dänemark und musst zwei Wochen in Quarantäne… Es könnte geeignetere Zeiten geben für unser Vorhaben. Nun ist es wie es ist.
Jetzt gibt es konkrete Termine:
Übergabe Haus in Dänemark: 15. Januar 2021
Übergabe Haus in Deutschland: 10. Februar 2021