Die Wette gilt: Top oder Flop?

10.Januar 2021

Heute ist in Nienburg das erste Mal nach langer Zeit der blaue Himmel zu sehen. Das haben Gustav und ich gleich genutzt um die „Liebeslaube“ im Garten abzubauen. Vor vielen Jahren haben Katharina und ich sie Gustav als Geburtstagsgeschenk gebaut. Obwohl windschief, hat sie alle Jahre standgehalten. Gustav wollte sie eigentlich mitnehmen und in unserem neuen Garten aufbauen. Nun mussten wir einsehen, dass sie dafür doch zu verwittert ist. Schade, aber es wird sich ein neues Plätzchen finden.

Bis nach Weihnachten konnte man dem Haus kaum ansehen, dass ein Umzug bevorsteht. Wir wollten nicht, dass das letzte Weihnachtsfest in Nienburg davon geprägt wird. Das ist uns auch gut gelungen. Wir hatten 5 schöne gemeinsame Tage zu fünft.

Jetzt gibt es kein Halten mehr und überall stehen Umzugskartons herum. Der Count-Down läuft. In 14 Tagen soll der Umzugswagen vor der Tür stehen. Zwei Tage später wollen wir in Ommel sein. Zu Besuch können wir dann erst wiederkommen, wenn die Corona-Bestimmungen wieder gelockert werden. Gustav beobachtet mit Argusaugen die Entwicklungen.

Gestern wurden die Bestimmungen auch in Dänemark erneut verschärft. Auf der dänischen Website hörte es sich so an, als dürften wir zurzeit nicht einreisen, denn der triftige Grund „Eigentümer eines Hauses“ wurde gestrichen. Das Telefonat bei der Hotline der dänischen Polizei ergab dann aber doch noch einen Weg. Wenn wir in Nienburg abgemeldet sind und von der Kommune Ærø eine Bestätigung haben, dass wir Einwohner von Ærø  werden wollen und dürfen, dann könnte man uns durchlassen. Die letzte Entscheidung läge aber bei dem Beamten vor Ort an der Grenze. Die Politiker in Kopenhagen wollen am 17. Januar erneut darüber befinden. So lange können wir nicht mehr tun, als diese Bestimmungen für Herausforderungen zu halten, statt uns von ihnen entmutigen zu lassen. Meine finsterste Idee ist ja, irgendwo in der Warteschleife zu hocken. Die Sachen alle eingepackt und kein Handeln ist möglich. Noch ist es nicht so weit, bleiben wir zuversichtlich.

Alles Weitere ist auf einem guten Weg. Versicherungen, Krankenkasse, Steuern und Rente, Grundbucheintrag, alles geregelt. Zum Übergabetermin des Hauses kommt der Makler und liest die Zählerstände ab. Die eigentliche Übernahme haben wir auf den 27. Januar schieben können. Der Plan ist, dass Gustav vorfährt und das Haus übernimmt. Am nächsten Morgen rollt der Möbelwagen auf den Hof, während ich im Laufe des Tages eintreffe, nachdem ich das Haus in Nienburg geordnet verlassen habe. Auch für dieses Haus übernimmt die Maklerin die offizielle Übergabe mit den neuen Besitzern. Ob das wohl alles wie geplant laufen wird, ist nicht gewiss. Ihr könnt ja Wetten abschließen!

Wir haben genug Zeit, um in Ruhe die Kisten zu packen. In den letzten Wochen haben wir fast täglich bei jedem Wetter Spaziergänge mit Freunden und auch mit Katharina und Gregor unternommen. Das war richtig schön, geht jetzt aber auch nur noch eingeschränkt. Obwohl wir keinen Zeitdruck haben, fällt es uns doch schwer zu entspannen. Ich habe mir einen „Notfallkoffer“ gepackt, darin ist alles, was ich brauche, um in meine Bilderwelt abzutauchen. Abends vergnügen wir uns oft mit dänischen Serien im Originalton mit deutschem Untertitel. Wir haben die Wahl zwischen einer Superpädagogin, die sich selbst verleugnet, den fiktiven Politikern in Kopenhagen, die sich gegenseitig die Affären aufs Butterbrot schmieren oder den Machos der Kopenhagener Drogenszene, da wird’s dann blutig. Netflix sei Dank macht unser Hörverständnis schnell Fortschritte.

Das Licht auf Aero soll jetzt im Winter wunderschön sein und der Frühling eine wahre Explosion der Lebensfreude. Irgendwann, vor dem Sommer werden wir dort sein. Wenn wir uns das nächste Mal hier melden, sind wir schon in unserem neuen Zuhause eingetroffen.