Der Sommer beginnt

18.06.2021

Nun steht der Sommer vor der Tür. Gestern war schon der vorerst heißeste Tag mit 28 Grad, ein frischer Wind von der See wehte dazu. Mit Genugtuung und Mitleid beobachtet Gustav die Temperaturen in Deutschland und vor allem die in Nienburg. Für diese Woche gab es schon wieder eine Hitzewarnung für Deutschland. Bei jeder Hitzenachricht sind wir froh, dass wir den Schritt in den Norden gewagt haben.  Ærø steht immer noch in voller Blüte. In unserem Garten kommen jetzt die vielen, duftenden Rosen dazu, es riecht nach Brausepulver! Ich staune immer noch darüber, dass hier Pflanzen wuchern, um die ich mich in Nienburg redlich aber erfolglos bemüht habe. 

Der Mai war noch einmal ein ereignisreicher Monat. Tatsächlich haben wir alles Wesentliche geschafft. Der Goldfischteich ist weg, stattdessen gibt es einen Parkplatz vor dem Haus. Die wenigen Stauden, die um den Teich standen, konnte ich retten. Sie erholen sich inzwischen in einem neu angelegten Beet um den Stellplatz herum. Alle Hundezäune sind fort und die gammelige Garage aus den 80er Jahren ist nicht wiederzuerkennen. Statt des eingebeulten Garagentors gibt es jetzt eine Doppelflügeltür aus Glas. Über die neuen Dachfenster kommt Licht in den Raum. Mein Studio ist fertig eingerichtet. Ich habe schon begonnen dort zu arbeiten. Es ist ein richtig toller Platz. Ich freue mich sehr über die viel besseren Bedingungen. Wenn ich dann den im Umzug geschrotteten Rechner ersetzt habe, ist alles perfekt. Der Gesamteindruck von dem Haus hat sich stark verändert. Was vorher verschlossen und wurschtelig aussah, wirkt jetzt großzügig und offen. Das ist schön zu sehen. Das Chaos im Haus haben wir auch weitgehend eindämmen können. Tatsächlich ist kein einziger Umzugskarton mehr sichtbar. Die beiden Gästezimmer stehen bereit. Es sind zwei „hyggelige“, kleine Zimmer geworden. Der erste Gast (die erste Gästin!) konnte eines schon einweihen. Eine große Freude. Am 12. Juni legte der erste befreundete Segler aus Kiel kommend im Marstaler Jachthafen an. Wir hatten mit seiner Crew einen schönen Schnack im Cockpit und später einen sonnigen Nachmittag bei uns im Garten.

Der Sommer beginnt! Befeuert durch die Entspannung der Pandemie und die politischen Entscheidungen, wartet die Insel auf ihre Gäste. Die Zahlen der Prognose für dieses Jahr sind ganz beeindruckend. Was sie aber für uns in Ommel bedeuten, wissen wir noch nicht. Die örtliche Presse berichtet, dass auf der Insel mit sogenannten „Invasionstagen“ gerechnet wird. Das werden die Tage sein, an denen die Fähren nichts oder fast nichts kosten. Leider ist noch nicht klar, welche Tage dies sein werden. Für die Inselbewohner soll es ein Kontingent Fährkarten geben, damit wir hier nicht eingesperrt sind, weil womöglich alle Fähren ausgebucht sind. Das ist doch schon mal sehr beruhigend. Die Erfahrungen aus dem letzten Sommer zeigen, dass auf der Insel, wenn sich die Zahlen so entwickeln, bisher nicht ausreichend Gastronomie angeboten werden kann um die hungrigen Urlauber zu versorgen. So werden ganz schnell noch ein paar Imbissbuden am Hafen aufgebaut. Die wenigen Supermärkte sind in der Zeit auch schon mal ausverkauft! Jetzt verstehe ich noch besser, warum die Inselbewohner so herrliche Gemüsegärten haben. Ich weiß also, was im nächsten Jahr zu tun ist! Es werden in der Saison 300.000 Feriengäste erwartet. Ein Drittel davon davon kommt aus Deutschland. Der Ort Ærøskøbing rechnet mit täglich 3 bis 5000 Gästen, Marstal mit 1000 Gästen. Hier sind es wohl auch die Tagesgäste im Yachthafen.

Wir sind ganz gespannt, denn wir haben die Hochsaison hier noch nicht erlebt. Vorerst lassen wir uns Zeit um hier in Dänemark einzutauchen. Der neu begonnene Dänisch-Kurs hilft uns sehr dabei. Dreimal in der Woche gehen wir wieder zur Schule. 8 Stunden Unterricht plus Vor- und Nachbereitung sind richtig viel. Aber es macht Spaß. Der Lehrer ist großartig und wir freuen uns andere Neubürger kennenzulernen. Sie kommen in unserem Kurs aus Deutschland, den Niederlanden, Ghana und Eritrea. Es ist ein Angebot der Kommune für alle Neubürger, das im EU-Recht festgeschrieben ist. Wir haben drei Jahre Zeit um alle Prüfungen zu bestehen. Neuerdings sehen wir uns auch mal einen dänischen Film an. Neulich sahen wir „Flammen & Citronen“ von Bille Ausgust im Original. Es gibt ihn auch in einer deutschen Fassung unter dem Titel „Tage des Zorns“. Es geht um den Widerstand in Dänemark während der deutschen Besatzung. Wenn ihr Interesse an der deutsch-dänischen Geschichte und deren dänischer Darstellung habt, können wir ihn sehr empfehlen. Ein schauspielerisches Meisterwerk zudem.

Wenn ihr Lust habt zu sehen, was ich in meinem Studio so treibe, schaut vorbei in meinem Blog. Jetzt freuen wir uns über den Sommer auf der Insel und auf unsere Gäste! In diesem Blog verabschieden wir uns für den Sommer.

Vi ses i september
Gustav og Hilda